Okt 252019
 

Sich erinnern können gehört zu uns Menschen. Die Erinnerung gibt unserem Leben Tiefe und Orientierung. Und mit wachsendem Alter versammeln sich immer mehr Erinnerungen in uns. Vielleicht sind diese Erinnerungen vergleichbar mit einer russischen Matroschka. Eine Holzfigur, die man öffnen kann und dann viele Figuren in sich trägt. Sie könnten für Erfahrungen stehen, für Beziehungen, Gesichter, Menschen, die in uns lebendig sind und uns irgendwie prägen. Anfang November feiern wir das Fest Allerheiligen und Allerseelen. Die Kirche lädt ein zur gemeinsamen Erinnerung. Im Bild gesprochen öffnen wir an diesem Fest unsere Matroschka und begegnen Menschen, die in uns lebendig sind. Es können bekannte Heilige sein, wie Theresia von Avila oder ein Franz von Assisi, die in unserem Leben und Glauben eine Rolle gespielt haben. Es sind sicher aber auch Menschen aus unserer Biographie, die uns geliebt und ins Leben begleitet haben, die uns herausgefordert und beeindruckt haben,  die mit uns  Leben geteilt haben und immer  für uns da waren. Menschen, die wir schmerzlich vermissen, weil sie gestorben sind. „Tut dies zu meinem Gedächtnis“, zur Erinnerung an mein Leben, sagt Jesus beim Abendmahl. Das bedeutet sicher nicht, dass wir in der guten alten Zeit schwelgen sollen, die wir fein säuberlich konservieren. Es heißt vielmehr: lass dich innerlich aufrichten und ermutigen von deinen prägenden Erinnerungen. Orientiere dich an ihnen für dein Leben heute.

In diesem Sinne freue ich mich auf das Fest Allerseelen und Allerheiligen. Und ich bin dankbar für all die grossen Heiligen und kleinen „guten Seelen“, die in mir eine wertvolle Spur hinterlassen haben.

Ingrid Schell