Dez 282018
 

Es kann plötzlich geschehen, dass sich unser Blick auf etwas verändert. Manchmal auf ganz erschreckende Art und Weise. So wird aus einem stimmungsvollen Weihnachtsmarkt ein Ort des Terrors und des Sterbens, wie in diesem Advent in Strasbourg geschehen. Durch eine schwerwiegende ärztliche Diagnose kann sich der Blick der Betroffenen auf das Leben ganz grundlegend verändern. Ähnliches gilt sicher auch für Menschen, die mit einem Todesfall konfrontiert werden oder deren sicher geglaubte Beziehungen zerbrechen. Alles sieht plötzlich ganz anders aus. Die Lebensfarben ändern sich. Es gibt aber auch die freudigen Veränderungen der Perspektive. Sei es, dass man jemanden, von dem man eigentlich gar nicht so viel gehalten hat, mit einem Mal von einer ganz anderen, positiven Seite kennenlernt, oder man etwas über einen Menschen erfährt, was man noch nicht wusste, aber dass alles anders erklärt. Manchmal färbt sich der Blick regelrecht rosarot, wenn sich Schmetterlinge im Bauch einstellen und man sich verliebt hat. Auch der Blick auf sich selbst kann sich verändern. Ab und zu einen Schritt zur Seite wagen – etwas Auszeit – können hier sehr wirkungsvoll sein. Eine kleine Veränderung der Selbstsicht kann ein erster Schritt zu einer echten persönlichen Entwicklung sein. Es braucht zu dem einen beweglichen Blickwinkel, damit gute Gespräche gelingen oder Konflikte und Streit beigelegt werden können. Ohne Empathie geht es dabei wohl nicht. Sich in das Gegenüber hineinversetzen und alles einmal mit seinen/ihren Augen betrachten, kann Wunder wirken. Die Welt mit den Augen einer anderen Generation, einer anderen Kultur, eines andern Geschlechtes, einer anderen Religion, oder einfach mit den Augen eines Menschen aus anderen sozialen Umständen anzuschauen lohnt sich. Nur die Angst kann hier Grenzen setzen. Die Angst vor Veränderung, Unsicherheit und innerer Haltlosigkeit. Weihnachten kann unseren Blick verändern, wenn wir das Fest nicht nur als emotions- und kaloriengeladenen Anlass betrachten, dem wir uns, alle Jahre wieder, kaum entziehen können. Es ist diese uralte Geschichte, die an Weihnachten immer wieder neu erzählt wird und die so kraftvoll ist, dass sie unseren Blick nachhaltig verändern und weiten kann. In archaisch-alltäglichen Bildern wird unsere Perspektive verändert. Wir brauchen nicht in den Himmel zu blicken, wenn wir Gott suchen, sondern auf unsere Welt, in unser Leben und in unser Inneres. Eine Weite und Tiefe des Denkens kann möglich werden, die keine Grenzen kennt. Zu all den vielen Perspektiven gesellt sich eine Perspektive hinzu, nämlich die Perspektive Gottes. Weihnachten erlaubt uns, alles auch mit den Augen Gottes anzuschauen, der alles und alle mit grenzenloser Güte und Liebe zu betrachtet – auch mich selbst. Die Botschaft von Weihnachten möchte uns Christen aus der Angst führen hin zu einem Leben der gelassenen Offenheit. Die Botschaft der Engel in der Heiligen Nacht klingt wieder im Gruss des Auferstandenen am Ostermorgen: Fürchtet euch nicht.

Ich wünsche allen Pfarreiangehörigen, Freunden und allen Menschen guten Willens ein frohes neues Jahr und verabschiede mich mit grossem Dank an alle als Gemeindeleiter unserer Pfarrei

Diakon Markus Wentink